Persönlicher Brief von Rainer Wetzler
Liebe Urspringer, ob derzeitige oder ehemalige Schülerinnen und Schüler, ob derzeitige oder ehemalige Eltern bzw. Erziehungsberechtigte, ob derzeitige oder ehemalige Kolleginnen und Kollegen ist nicht wichtig, es bleibt bei „liebe Urspringer“,ich kam 2003 nach Urspring, damals zunächst nur als Anhängsel meiner Frau Andrea, die seit 2003 hier in Urspring beschäftigt ist. Urspring lernte ich somit als Mitbewohner in der Alten Schule links kennen, dort hatte Andrea ihr Mentorat und ich durfte insbesondere an den Wochenenden am Urspringleben teilhaben.
2007 stieg ich dann ein als „Junglehrer“ und mit der Geburt von Franz 2008 änderte sich sowieso alles grundsätzlich.
Mitte 2014 musste ich eine wegweisende Entscheidung treffen, neben meiner Lehrertätigkeit hatte ich eine Vertretungsprofessur an der TU Dortmund - sollte ich diese weiter machen oder mich ganz auf Urspring konzentrieren. Aus einerseits persönlich familiären Gründen und andererseits einer mittlerweile entstandenen Liebe zu Urspring fiel die Entscheidung bekanntermaßen aus.
Dass ich dann nach nur vier Monaten Studienleitertätigkeit auch Vorstand wurde, hat spezielle Gründe, die es hier nicht weiter auszubreiten gilt.
Was mir in meine schwäbische Wiege gelegt wurde - ob ich immer darüber froh bin, vermag ich gar nicht zu sagen - ist eine Wesensart, Dinge und Probleme aktiv anzugehen. Nicht nur darüber zu reden, nicht nur die Zustände zu bedauern, sondern irgendwie Lösungen zu suchen. Dies ist auch das teuflische Grundmuster, was mir meine Eltern mitgegeben haben. Und wenn es keine schnellen Erfolge gibt, dann anzuerkennen, dass es auch „gute Gründe“ gibt, warum die Dinge so sind, wie sie nun mal sind. Die Entscheidung für Urspring war letztendlich eine bewusste, die Schwierigkeiten der Stiftung waren mir bekannt und diese tolle Einrichtung eine gewisse Zeit begleiten zu dürfen, habe ich immer als ein Privileg und eine ungeheure Ehre empfunden.
Schule ist für mich eine Vertrauenssache, Eltern geben ihre Kinder in unsere Obhut, Kolleginnen und Kollegen geben ihre Persönlichkeit und teilweise ihr berufliches Schicksal in unsere Hände, das ist so großartig, dass es mich beim Nachdenken demütig werden lässt.
Die Leitungsrolle ist Würde und Bürde gleichermaßen, es gab durchwachte Nächte, schwierige Entscheidungen galt es zu fällen (manchmal lag ich auch komplett daneben und bedauere auch manches). Aber ich habe versucht, immer für die Stiftung zu wirken und meine drei Grundfragen waren: „Ist es gut für Urspring?“ „Ist es eher neutral?“ „Oder schadet es Urspring?“ Was Urspring schadet, hatte ich als Hüter der Stiftung zu unterbinden, was der Schule guttat, hatte ich zu befördern und der Mittelposition habe ich immer eine Chance eingeräumt, also Versuche zulassen und Vertrauen in die Inspiration der anderen zu haben.
Mit diesen Zeilen möchte ich mich verabschieden. Ich möchte allen danken, die mich ausgehalten haben, die mir ihr Vertrauen schenkten, die mich begleiteten, die mich kritisierten, die mir im Alltagslabyrinth einen roten Faden zugeworfen haben und die mir auch freundschaftlich zur Seite standen und stehen.
Es war mir eine große Ehre, einige Jahre auf der Welle Eures Vertrauens schwimmen zu dürfen. Bewahrt Euch die notwendige Zuversicht bei gleichzeitig klugem Verstand und kühlem Kopf, bleibt empathisch und achtet auf Euch und Eure Mitmenschen.
Alles Gute, Gesundheit, Glück, langes Leben und Frieden,
Euer
Rainer Wetzler
- Wir begegnen uns! -
